THE RAKE‘S PROGRESS. Igor Strawinsky

Theater Freiburg
Premiere 4.12.23

Musikalische Leitung Ektoras Tartanis
Bühne und Kostüme Julia Rösler
Dramaturgie Heiko Voss
Licht Michael Philipp
Mit Junbum Lee
Jakob Kunath
Michael Borth
Cassandra Wright/Maeve Hoeglund
Anja Jung
Jin-Seok Lee/Yunus Schahinger
Roberto Gionfriddo

Opernchor des Theater Freiburg
Statisterie des Theater Freiburg

Philharmonische Orchester Freiburg

Fotos Laura Nickel

KRITIKEN

„Als surreales Variéte inszeniert Eva-Maria Höckmayr am Theater Freiburg diese Tour de Force einer Oper über Oper. Es ist die Geschichte von Tom im Wunderland. Hinter dem Vorhang eines aufgerissenen Höllenschlunds mit vom Bühnenportal grinsenden Teufelsaugen, öffnet sich tatsächlich der tunnelartige Kaninchenbau für eine Reise in eine Show der surrealen Abgründe.
Wie Twiddledee und Twiddledum in Lewis Carolls ‚Wunderland‘- Begehung wird Nick Shadow gleich von zwei Conférencier-Teufeln in Frack und Zylinder verdoppelt. Der eigenwillige Eingriff in Strawinskys Besetzung ist aber inszenatorisch und musikalisch gelungen. Denn Michael Borth und Jakob Kunath sind sowohl darstellerisch als auch stimmlich ein perfekt aufeinander eingestimmtes Teufelspaar. Sie können toll singen, spielen und tanzen.(…) ein brillantes und nie langweiliges Opernabenteuer.“

SWR Kultur, 4.12.2023

„ Aus den besten Rezepten älterer Opernköche hat Strawinsky mit diesem Werk einen musikalischen Festschmaus für Opernliebhaber bereitet.(…) Die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr hat sich davon anstecken lassen und auf der Szene auch eine ganze Palette glänzender Ideen ausgebreitet. Da wechseln sich Tragik und Komik, Revue und bitterer Ernst, Realismus und Stilisierung, Tanz und Akrobatik pausenlos ab. Alles aber steht im Dienst der Handlung und erhellt oder konterkariert die Charaktere der Protagonisten. Alle drei Komponenten ergeben über zweieinhalb Stunden einen höchst unterhaltsamen Opernabend.(…) Dieser Schatten Toms ist Old Nick, der Teufel. Die Regisseurin stellt ihn als Conférencier dar und dies gleich verdoppelt, wodurch die Rolle noch mehr zum Spielmacher in dieser Versuchsanordnung wird, in der sich Tom in seinen übersteigerten Ansprüchen und seiner Realitätsblindheit selbst ins Verderben treibt – (…) Nick fordert seinen Lohn und Tom begreift erst jetzt, dass der Teufel es auf seine Seele abgesehen hat. Diese Szene auf einem Friedhof mit der trockenen Begleitung nur des zirpenden Cembalos wird zum eindrucksvollsten Moment dieser Aufführung. Als wahrhaft existentieller Kampf ist sie inszeniert. (…) Dass dieser Abend ein großer Erfolg wurde, lag an dem großartigen Ensemble und der kreativen, witzigen und im besten Sinn werkgerechten Regie.“

Backtrack. Christoph Wurzel, 9.1.2024

„Julia Röslers Bühnenbild zeigt am Freiburger Theater schon vor Beginn von
Igor Strawinskys ‚The Rake’s Progress‘ (Die Karriere eines Wüstlings) in der
poetischen, bildstarken Inszenierung von Eva-Maria Höckmayr, worum es in der
1951 uraufgeführten Oper geht. Um den Einbruch des Bösen in die heile Welt. Um
die Sogkraft der Verführung. Und um Theater im Theater. Alles ist ein Spiel, will Igor Strawinsky in seiner von ‚Don Giovanni‘ inspirierten Nummernoper sagen.“

NMZ, Georg Rudiger, 5.12.23

„Für Eva-Maria Höckmayr waren bei ihrer Regiearbeit zu «The Rake’s Progress» am Theater
Freiburg die Parallelen zu Bulgakow evident. «Was heißt es, wenn wir das Böse personifiziert haben?», lautet ihre grundsätzliche Frage an Strawinskys 1951 uraufgeführte Oper. Deren Grundlage ist zunächst etwas anderes, William Hogarths achtteiliger Gemäldezyklus
«The Rake’s Progress» von 1732/33, die bildreportageartige Fallstudie eines
jungen Mannes. Was bei Hogarth nicht vorgesehen ist, haben Strawinskys Autoren W. H. Auden und Chester Kallman hinzuerfunden: die Figur des Nick Shadow, «Rakewells ‹Schatten›, sein mephistophelisches Alter Ego». (…) Shadow erscheint mit seinem Doppelgänger. Oder ist es einfach eine Blaupause seiner selbst? Höckmayr führt hier, wie
generell, penible Personenregie. (…) Geboten wird viel fürs Auge. Schon bald be-
greift man, dass der Teufel nicht nur verdoppelt ist, sondern gar potenziert. Eine ganze Statisterie ist damit beschäftigt, abwechselnd Böses oder Gutes zu schaffen. (…) Höckmayr dekliniert ihre zentrale Frage an das Stück auf allen Ebenen durch. Am eindrucksvollsten aber ist ihre Lesart dort, wo sie auf schlichte Bilder setzt: bei der Pietà-Ikonographie, wenn Anne den Kopf des irren Tom auf ihrem Schoß hat. Oder bei den miteinander korrespondierenden Rahmenszenen: Am Anfang sind Anne und Tom eng umschlungen unter einem schwarzen Schleier. Am Ende werden zwei Kinder in gleicher Pose mit einem ebensolchen bedeckt – der Zyklus des Guten und Bösen setzt sich fort.“

OPERNWELT, Alexander Dick, Februar 2024

„Eva-Maria Höckmayr (Regie) und Julia Rösler, (Kostüme und Bühne) werden mit dieser Inszenierung dem Werk Igor Strawinskys in allen Belangen gerecht.(…) Ein toller Abend, eine hervorragende, spannende Inszenierung ohne Längen geht zu Ende. Eine Zuschauerbemerkung zum Schluss: ‚Spannender als ein Tatort‘.“

DER OPERNFREUND. Peter Heuberger, 6.12.2023