TANNHÄUSER. Wagner

MUSIKALISCHE LEITUNG Fabrice Bollon
BÜHNENina von Essen
DRAMATURGIEHeiko Voss
KOSTÜMJulia Rösler
LICHTMichael Philipp
VIDEOValentin Felber
CHORBernhard Moncado
MIT:Christian Voigt
Anna Nechaeva
Viktoria Mester
Jin Seok Lee
Alejandro Larraga Schleske
Roberto Gionfriddo
Ks.Neal Schwantes
Shinsuke Nishioka
Andrei Yvan
David Rother
Eduard Martens
Cedric Schmitt
Fotos: Maurice Korbel

„,Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was folgt, ist eine Rückblende. Eva-Maria Höckmayr erzählt Wagners beliebteste, heikelste Oper aus der Retrospektive. Dabei zieht sie die Pole eng zusammen. Was im Venusberg passiert, ist all das, was man in der grauschwarz-neutralen Wartburggesellschaft nicht denken, aussprechen, gar ausleben darf. Der Venusberg bleibt folglich Phantasmagorie (…). Es ist das Ineinander der Sphären, das Eva-Maria Höckmayr interessiert. (…) Tannhäuser scheitert nicht zwischen zwei Welten, sondern an sich selbst, weil er immer nur das eine will: das, was er (gerade) nicht hat.“

OPERNWELT, Stephan Mösch/ April 2014 

„,Freiburg hat es wieder geschafft: ein Werk von Richard Wagner zu inszenieren und dies Meisterinnenhaft inszeniert von Eva-Maria Höckmayr. Die klare Bildsprache überzeugt. (…) Das polyvalente Bühnenbild ist Kirche, Venusberg, die teure Halle, Waldlandschaft, Talsenke, alles in einem.“ 

Der Neue Merker,  Peter Heuberger, März 2014

,,Der gebrochene Held – Das Freiburger Theater setzt mit einem packenden „Tannhäuser“ seinen erfolgreichen Wagner-Zyklus fort.

Die Verbannung Tannhäusers durch den Papst, ist für Höckmayr das entscheidende Trauma der Figur. (…) Venusberg und Wartburg, die beiden gegensätzlichen Orte von Ekstase und Askese, lässt die Regisseurin im gleichen Kirchenraum von Bühnenbildnerin Nina von Essen spielen. Elisabeth ist mindestens so sinnlich wie Venus, (…) die Regie schafft starke, auch beklemmende Bilder. Und gibt nicht nur im furios inszenierten Sängerwettstreit den passenden Raum für die Musik.“

Kultur Joker, Georg Rudiger, März 2014

,,Ob das, was nach der Ouvertüre folgt – ob dies ein Rückblick ist oder Tannhäuser als Wiederholungstäter im ewigen Kreislauf von Sünde und Buße zeigt, bleibt in Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung für das Freiburger Theater offen. Was von Anfang an aber deutlich wird, ist Höckmayrs Bemühen, die Moralschwere des Stoffes abzustreifen, gegen den Strich zu bürsten und für ein heutiges Publikum zumutbar zu machen. Und dabei auch das traditionelle Frauenbild, das nur zwei Varianten zulässt – nämlich die Hure und die Heilige aufzuweichen. Die Frauenbilder werden hier buchstäblich als (männliche) Projektionen gezeigt, die wie Bruchstücke aus Tannhäusers Erinnerung an den Wänden der Kapelle auftauchen: Hände auf Haut und nackte Brüste, daneben die zum Heiligenbild stilisierte Elisabeth. Und doch verschwimmen die beiden Figuren manchmal (…) Höckmayrs Deutung ist modern und grundsätzlich schlüssig.“

Südkurier, Elisabeth Schwind, 25.2.2014

,„Bei Höckmayr ist der Venusberg eine Phantasmagorie, kein paradies artificiel, sondern ein virtuelles Gedankenkonstrukt, in dem sich bigotte – christlich-katholische – Glaubensrituale mit lüsterner Erotik und Geilheit in ekstatischen Zuckungen verschränken: die gekreuzigte Frau, die Madonna mit nackten Brüsten – und Wagners Göttin Venus, die aus dem Beichtstuhl heraus fragt: ,,Geliebter, sag wo weilt dein Sinn?“ (…) Meist wohl bei seinen Frauen-Projektionen. (…) Beide sind, um mit Baudelaire zu sprechen, Fleisch, beide sind Geist, beide sind weniger Antipoden, als dass sie sich gegenseitig bedingen, was sich besonders im letzten Akt zeigt. Da lässt die Regie, wie genial, beim Lied Wolframs an den Abendstern just diesen in persona auftreten: Venus.“

Badische Zeitung, Alexander Dick, 24.2.2014

,,(…) geradezu preisverdächtiges Musterbeispiel in Sachen spannendes, hervorragend durchdachtes und einen überzeugenden psychologischen Einschlag aufweisendes Musiktheater. (…) Tannhäuser fördert das zutage, was verborgen bleiben soll. Ein Vorgang, der sich später beim Papst wiederholt. (…) Dieser Einfall, Rom als verlängerten Arm der Wartburg zu zeigen, ist brillant. (…) Eine ungemein mitreißende, stringent umgesetzte und atmosphärisch dichte Produktion.“

Der Opernfreund, Ludwig Steinbach, 23.2.2014