MUSIKALISCHE LEITUNG Fabrice Bollon
BÜHNENina von Essen
KOSTÜMJulia Rösler
DRAMATURGIEDominica Volkert
CHORBernhard Moncado
MIT:Luis Chapa
Christina Vasileva
Juan Orozco
Roberto Gionfriddo
Sang Hee Kim/Anja Jung
Christoph Waltle
Jin Seok Lee
Larry Minth
Chor und Extra-Chor des Theater Freiburg
Philharmonisches Orchester Freiburg

,,(…) eine unglaublich spannende Inszenierung. Die eigenartige ,Weltlosigkeit‘ der Szene entspricht der wahnhaft verengten Wahrnehmung des eifersüchtigen Otello, und die Zwanghaftigkeit des Geschehens ist stringent daraus entwickelt.

(…) was Eva-Maria Höckmayr mit der Hochspannung eines Psycho-Thrillers und erschreckender Körperlichkeit in Szene setzt, ist eine im Grunde alltägliche Beziehungskatastrophe: Die wahnhafte Eifersucht des Mannes, seine immer maßloser werdenden Gewaltattacken – und die Frau, die ganz in der ihr zugewiesenen Opferrolle aufgeht, die Beziehung zu retten sucht, und das Handeln des Mannes verteidigt, bis sie ihm selbst zum Opfer fällt. Dass dieses Beziehungsmuster und die ihm zugrundeliegenden Rollenklischees noch immer aktuell sind: Das zu wissen, genügt der tägliche Blick in die Zeitung.

Otello ist in dieser Inszenierung weiß. Sein Minderwertigkeitsgefühl hat keine  erkennbare Ursache, motiviert aber sein Handeln von Anfang an. (…) Diese Verdunkelung seiner Seele manifestiert sich dann auch äußerlich: Sie macht ihn erst zum gesellschaftlichen Außenseiter, zum ,,Mohren“, dessen Gesicht dann auch von Akt zu Akt schwärzer wird. Auch hier geht es übrigens nicht wirklich um Hautfarbe, sondern um die Zuweisung eines Rollenklischees: Das macht die sehr übertriebene, ,,unnatürliche“ Schminkmaske deutlich.

Otellos innere Dämonen bringt die Regisseurin auf die Bühne: Todesengel in rauschenden, schwarzen Ballroben, schwarz die Gesichter, knallrot geschminkt die Lippen, langes blondes Haar, die Otello begleiten, ihm den Blick auf die Wirklichkeit verstellen; und je mehr er mit ihnen Umgang hat, um so mehr färbt ihr Schwarz auf ihn ab. Sie sind Zerr- und Gegenbilder des Erwünschten, das in Gestalt einer ganzen Phalanx von Bräuten auftritt: Mit den gleichen blonden Haaren, in weißen Kleidern aufgereiht wie Schaufensterpuppen – ein Alptraum gestylter, zugerichteter Weiblichkeit. (…)

Projektionen, Rollenzuschreibungen, gesellschaftliche Positionen: Darum geht es. Auf Nina von Essens beständig sich drehender Bühne mit ihren transparenten Glaskästen beobachten sich alle gegenseitig: Wer steht wo, im Verhältnis zu wem? Und immer wieder konfrontieren die spiegelnden Scheiben sie auch mit dem eigenen Abbild.

Was das alles mit uns und der Gesellschaft, in der wir leben, zu tun haben könnte: Die Aufführung gibt dazu Hinweise genug, ohne sich auf die aktualisierende Konkretion einzulassen. Sie ist darstellerisch genau durchgearbeitet und entwickelt dadurch eine mächtige Sogwirkung (…) Am Ende war es für das Freiburger Theater in seinem 100. Jubiläumsjahr ein für alle Beteiligten verdienter, triumphaler Erfolg.“

Deutschlandfunk Musikjournal,18.04.11,Ingo Dorfmüller

,,Eva-Maria Höckmayr, Trägerin des Götz-Friedrich-Opernregiepreises 2010, macht aus Boitos und Verdis Shakspeare-Adaption einen rabenschwarzen Psychokrimi, der tief in die Seelenwelt der Akteure vordringt. (…) Das Böse vermehrt sich in Otellos Kopf von selbst – Jago pflanzt nur den Keim. (…) Ungemein spannend ist das inszeniert auf der mächtig geforderten Drehbühne, die fortan die Perspektiven und Blickwinkel verändert, ganz so wie auch Verdis Musik. Denn auch das darf über diese Produktion gesagt werden: Sie zeigt ein ideales Zusammenspiel von Szene und Musik, subtil, tiefschürfend und das bei ausgefeilter, plastischer Personenregie.“

Opernwelt, Juni 2011, Alexander Dick

,,Es sind expressionistische, unheimliche Bilder, die Eva-Maria Höckmayr für Otellos pathologische Eifersucht findet. (…) Dieser «Otello» ist die bislang stärkste Opernproduktion der Freiburger Spielzeit. Hingehen!“

Kultiversum Empfehlung,28.04.2011, Georg Rudiger

„,Höckmayrs scharf beobachtende Regie (…) bringt die perfid-planmäßige psychische wie physische Hinrichtung eines ohnehin gefährdeten Menschen auf den Punkt. (…) Das Schönste an diesem ausdauernd gefeierten Abend ist, wie sich Szene und Graben befruchten, wie sich hier tatsächlich Musik-Theater ereignet.“

Badische Zeitung, 18.4.2011, Heinz W.Koch

„,Die Regisseurin hat genau auf das Libretto gehört, hat die drei Charakterstudien von Arrigo Boito psychologisch vertieft und ihre Verbundenheit durch innere Gegensätze in ein augenfälliges Zentralbild übersetzt: ein drehbares Kabinett der Spiegelungen, in dem Otello seinen klaren Verstand verliert.(…) Jubelnder Applaus.“

Südkurier, 18.4.2011, Siegbert Kopp