DES SIMPLICIUS SIMPLICISSIMUS JUGEND. Karl Amadeus Hartmann

Urfassung

Tiroler Landestheater
Österreichische Erstaufführung, Kammerspiele 10.3.24

Musikalische Leitung Hansjörg Sofka
Bühne und Kostüme Ralph Zeger
Dramaturgie Andreas Karl
Licht Michael Reinisch
Mit Marie Smolka
Florian Stern
Oliver Sailer
Benjamin Chamandy
Nikita Voronchenko
Eleonore Bürcher

Chor der Landsknechte, Bauern und unsichtbaren Stimmen
Sieglinde Both, Sonja Brunner, Barbara Farmer, Hartwig Fuchs, Michael Gerhold, Brigitte Gradl Rangger, Barbara Hechenleitner, Oswald Kollreider, Benjamin Lackner, Silvia Löhm, Brigitte Luftensteiner, Michael Pfleger, Nina Redlich Zimmermann, Kerstin Schaffenrath

TENM- Tiroler Ensemble für Neue Musik

Fotos Birgit Gufler

KRITIKEN

„Aus dem (…) Spielplan der neuen Intendanz von Irene Girkinger ragt diese Produktion qualitativ haushoch heraus. (…) In zeitlos bestürzenden Bildern (ohne Videosequenzen!) wurde die Verrohung der Menschen in Kriegszeiten erschütternd aufgezeigt. (…) Der Regisseurin stand ein exzellentes Solistenensemble zur Verfügung, das deren Instruktionen perfekt umzusetzen wusste. Die seit dieser Spielzeit dem Ensemble des TLT angehörende Sopranistin Marie Smolka (Titelrolle) sowie die seit 1981 aus dem Theaterleben nicht mehr wegzudenkende Eleonore Bürcher (Erzählerin) vollbrachten ein Mirakel an totaler Rollenidentifikation.“
Dietmar Plattner, Online Merker, 24.3.24

„Es ist schockierend und erstaunlich zugleich, mit welcher Klarheit Dirigent Hermann Scherchen und Komponist Karl Amadeus Hartmann 1934 den Nationalsozialismus mit analytischer Tiefen- schärfe als das entlarvten, was er war: Eine totalitäre, faschistische Ideologie, in der Humanismus und Empathie keinen Platz haben. So wird die von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinem Anti-Kriegsroman aus dem 17. Jahrhundert erzählte Geschichte des ‚Simplicissimus‘ zu einer Metapher für die Entmenschlichung der Welt.(…) In den Innsbrucker Kammerspielen hat man sich für die Urfassung entschieden.(…) Das Stück ist von einer unglaublichen Intensität und Wucht, Momente des Innehaltens und der Hoffnung fehlen. Insofern ist der ‚Simplicissimus‘ wohl ein zeitloses Werk, das die Grauen der Dreißigerjahre ebenso nachdrücklich vergegenwärtigt wie die Schrecknisse jeglicher Kriege und Diktaturen. Heute ist dieses Stück aktueller denn je. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr gelingt eine Inszenierung, die das Unvergängliche und Beklemmende eindrucksvoll vor Augen führt. Marie Smolka ist eine Anti-Heldin par excellence.“
Kronenzeitung, Franz Gratl, 13.3.24

„Sonntagabend ging die so gut wie unbekannte Oper des deutschen Komponisten Karl Amadeus Hartmann als österreichische Erstaufführung in den Kammerspielen des Landestheaters über die Bühne. Das Opus gestaltet sich dermaßen dicht, ja über weite Phasen beklemmend, dass man, bei allem Respekt vor den künstlerischen Leistungen, wie gebannt im Sessel klebt. Das Stück führt die Grausamkeit und Tabulosigkeit kriegerischen Treibens drastisch vor Augen. Wer sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet, dem gnade Gott. (…) Für die zupackende Innsbrucker Inszenierung zeichnet Eva-Maria Höckmayr als Regisseurin verantwortlich. In der Titelpartie schlägt sich Marie Smolka blendend, gesanglich und schauspielerisch. Wie eine Marionette hängt sie an den unsichtbaren Fäden unheilvollen Weltgeschehens, wird ruckartig gezerrt und gezogen, versucht zu entrinnen, indem sie die kreisförmige Bühne hinter sich schließt. Vergeblich.(…) Ein intensiver, fordernder Abend, auf den man sich als BetrachterIn einlassen muss.“
Tiroler Tageszeitung, Markus Schramek, 12.3.24